Posted 3 months ago
Kretischer Dakos. Die weltbeste Zwiebackmahlzeit!
Früher, als kleiner Knirps, mochte ich Zwieback, überschüttet mit heißer Milch. Lag vermutlich auch am drüber gestreuten Zucker. Zwieback als Hauptzutat einer Speise war für mich dann erstmal für fast drei Jahrzehnte tabu. Bis zum Sommer 2011. Da hat sich die kretische Verwandtschaft des harten Gebäcks vehement und über Wochen in mein Leben gekrümelt.
Begonnen hat das bei einer Reise zum wunderschönen Nestos im Nordosten Griechenlands. In einer kleinen Parea (Griechisch für eine temporäre Gruppe, Clique, Basisrecheneinheit beispielsweise in einer Taverne) entschieden wir uns zu einer Übernachtung am Fluss. Campingsachen hatten wir dabei, die Essenvorräte aber hatten Optimierungspotential. Ein Mitreisender war jedoch just von Kreta zurück. Er habe noch Paksimadi im Auto, Tomaten hätten wir ja schließlich auch, statt dem originalen Käse könnten wir ja auch Feta nehmen. Was hast du dabei? Paksimadi, das ist kretischer Zwieback. Zusammen mit Tomaten, Portulak und Mizithra ist das ein typisch kretisches Gericht. Aha. Zwieback also. Wenn du meinst.
Schnell ein wenig Portulak gesucht, Tomaten im Flusswasser gewaschen, geschnitten, Zwieback kurz in Wasser angeweicht, bisschen Olivenöl drüber, Feta zerbröckelt, etwas Salz. Fertig.
Fantastisch. Nach langem Schwimmen im irre kalten Gebirgsfluss hätte an diesem Abend sicher vieles gut geschmeckt. Aber dieser Zwiebackteller war eine Wucht. Wenig später war’s an der Zeit, Dakos auf Kreta zu probieren. Selbstgemachter Dakos wurde zu einem unserer Reiserituale und in den Tavernen wurde er zu unserem meist bestellten Gericht. Herausragend waren dabei zwei Versionen: Wenn es einen Ur-Dakos geben sollte, an dem sich von nun an bitte alle orientieren, dann war es der in Milia, ganz oben im Bild und mit Kapern.
Dieser Teller ist hingegen offensichtlich eine starke Variation. Starke Variation und griechische Küche sind nun nicht immer Verwandte auf den ersten Blick. Für Puristen ist dieser Teller also nix, geschmacklich war er aber tiptop. So trug er bei zum Top-3-Essen unserer Kretareise in der Taverna Gramvoussa.
Na klar, wir haben ein oder zwei Kilo Paksimadi nach Deutschland mitgenommen. Das war ein wenig optimistisch. Nach mehreren Wochen Kreta konnte ich bislang nämlich in Deutschland seit Oktober nicht mehr als insgesamt 1 Kilo frische Tomaten kaufen. Es stehen seither ausschließlich Dosentomaten auf dem Programm. Hamburger Dakos wird es also frühestens dann geben, wenn mir eine Tomate begegnet, die passt. Schade. Ach, eigentlich nicht. Wenn ich die richtige Tomate finden würde, würde es vielleicht an 29 Grad abends beim Sonnenuntergang fehlen.
Around Milia SD from Daniel Cowen on Vimeo.
PS: Weil es dort wunderbar war, noch ein kleiner Film über Milia.









Schöne Kampagne. 